Mahnwache in Dachau zum Gedenken an die Opfer der Reaktorkatastrophe

23. Jahrestag der Katastrophe in Tschernobyl: "Dieses Mal vergessen wir's nicht"

Zum Gedenken an die Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 23 Jahren versammelten sich am Nachmittag des 26. April ca 20 Personen in der Dachauer Altstadt. Ödp Kreisvorsitzender Adrian Heim begrüßte die Teilnehmer und berichtete von den aktuellen Meldungen von den Gedenkfeiern aus der Ukraine: "25.000 Tote und ca 2,3 Millionen Bürger, die unter den Folgen der Reaktorkatastrophe leiden, müssen auch uns in Deutschland Mahnung sein, welche Folgen ein Atomunfall hat."

 

 

Sabine Geißler, Stadträtin vom Bündnis für Dachau, erinnerte an den Ablauf der Katastrophe. Während eines Sicherheitstests werden Sicherheitssysteme ausgeschaltet und übliche Sicherheitsvorschriften ignoriert. Der Test gerät außer Kontrolle, am Ende explodiert der Reaktor. Durch die Explosion und einen anschließenden Brand gelangen große Mengen Radioaktivität an die Umwelt. "Bei einem Test muss immer auch ein Fehlschlag einkalkuliert werden, das ist hier offensichtlich nicht geschehen – wobei in einem Atomkraftwerk ein Test nicht fehlschlagen darf", so Sabine Geißler.

 

 

Beate Heller (Bund Naturschutz, Bündnis 90/Die Grünen) berichtete von den anschließenden Aufräumarbeiten. Ca. 800.000 sogenannte Liquidatoren mussten völlig ungeschützt mit Schaufeln und Hacken radioaktiven Schutt und Graphitstücke ins glühende Reaktorinnere zurückwerfen. "Nach unterschiedlichen Angaben sind zwischen 15.000 und 100.000 Liquidatoren an den Folgen der Strahlung gestorben. Ein großer Teil der noch lebenden Liquidatoren ist heute invalid". In einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der Mahnwache der vielen Toten.

 

 

Adrian Heim erinnerte daran, dass auch Deutschland und insbesondere Südbayern vom radioaktiven Fall-Out betroffen war. Die Teilnehmer der Mahnwache erzählten von ihren eigenen persönlichen Erlebnissen in den Tagen der Katastrophe. Im Zentrum der Kritik stand wieder das Verhalten von Politikern und Behörden in den Tagen der Katastrophe. "Ich habe daraus gelernt, dass man alle Aussagen unserer Politiker und Behörden kritisch hinterfragen muss", sagte eine Teilnehmerin.

 

 

Zum Schluss verlas Adrian Heim eine im Mai 1986 erschienene Anzeige von Inge Aicher-Scholl, der Schwester der Weiße-Rose Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl. Der Text endet mit dem Aufruf "Jeder muss überlegen, was er tun kann. Jeder an seiner Stelle. Dieses Mal vergessen wir's nicht".

 

 

Die Mahnwache wurde gemeinsam von Bündnis 90/Die Grünen, ödp, Bund Naturschutz, Bündnis für Dachau und Bündnis für Karlsfeld veranstaltet. Auch 23 Jahre nach der Katastrophe – wir vergessen es nicht.

 

 

 

Adrian Heim

 

ödp Dachau

 


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